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2020-06-02T08:22:28+00:0002.Juni 2020|

Österreich:

Die Klimabilanz der virtuellen Mobilität

Videokonferenzen, Online-Shopping, Yogakurse per Stream: Digitale Technologien werden in Arbeit und Freizeit mehr genutzt denn je. Das wirkt sich positiv aufs Klima aus – jedenfalls kurzfristig. 63 % der Befragten der Studie waren erst seit den Ausgangsbeschränkungen intensiv mit Telearbeit befasst, bei Videokonferenzen sind es 44 %. Trotzdem ist die Zustimmung hoch. Die tägliche Morgensitzung erleichtert die Arbeit zuhause, dadurch muss weniger gependelt werden – gut fürs Klima. Dass auch der Stromverbrauch steigt, merkt man weniger, denn explizit wahrnehmbar ist ja nur das, was Handy oder Computer verbrauchen.

Die Datenübermittlung für Videos läuft jedoch im Hintergrund über Serverstrukturen, deren Energieverbrauch ständig wächst. 200 Milliarden Kilowattstunden Strom werden jährlich für Streamingdienste verbraucht, ermittelte der Energieanbieter E.on. Laut dem französischen Think Tank The Shift Project verursachen digitale Technologien 4% der globalen Treibhausgas-Emissionen. Als Vergleich kann ein Wert dienen, den The Shift Project für eine Stunde Netflix-Stream angibt: 200 Gramm CO2. Dem stehen nach Auskunft des Umweltbundesamts 17,9 kg CO2 pro Tag für zweimal 36 Kilometer im PKW gegenüber, der durchschnittlichen Pendelstrecke von über 2,5 Millionen Menschen. Der tägliche Emissionswert einer pendelnden Einzelperson entspricht also dem knapp 90-fachen einer Stunde Videostream.

Im Vergleich zum Vorjahr ist laut APG der Stromverbrauch europaweit derzeit 10-13% niedriger. Gäbe es ungewöhnliche Stromspitzen, hier würden sie sich bemerkbar machen. Der aktuelle Wert sei allerdings nicht vergleichbar, da letztes Jahr der Frühling deutlich kühler gewesen wäre. Derzeit hätte sich die Nachfrage zu den Haushalten verschoben, aber ob ein Computer im Homeoffice läuft oder in der Firma, ändere ja nichts im Stromverbrauch. Streaming und Videokonferenzen könnten aber durchaus Spitzen erzeugen: Wenn zwischen 8 und 10 Uhr viele Morgenmeetings stattfinden oder zu Feierabend das digitale Patschenkino läuft. Die Energienachfrage dafür würde sich dort zeigen, wo die entsprechenden Server betrieben werden. Die können irgendwo auf der Welt stehen, jedenfalls nicht in Österreich.

@ https://science.orf.at/stories/3200705/; https://theshiftproject.org/en/article/unsustainable-use-online-video/

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