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2020-08-07T11:53:55+00:0007.August 2020|

Österreich:

Fataler Kreislauf im Permafrost und weitere schlechte Methan-News

Im Permafrostboden ist mehr Kohlenstoff gespeichert als in allen Pflanzen und der Atmosphäre zusammen. Im Sommer taut eine dünne Schicht dieser Böden auf, wodurch Mikroorganismen den Humus abbauen können und Treibhausgase – wie Kohlendioxid und Methan – freisetzen. Durch den Klimawandel beschleunigt sich dieser Prozess, die Treibhausgasemissionen steigen somit weiter an.

Verschärft wird dieses Problem durch den „Priming-Effekt“, verursacht durch Pflanzen, die im aufgetauten Boden wurzeln. Sie geben Kohlenstoff etwa in Form von Zuckern an den Boden ab. Die dort befindlichen Mikroorganismen wachsen dadurch besser – und zersetzen noch mehr Humus. Der „Priming-Effekt“ erhöht die Aktivität der Mikroorganismen im Boden um etwa 12%. Bis zum Jahr 2100 werden dadurch zusätzlich etwa 40 Gigatonnen Kohlenstoff aus dem auftauenden Permafrost in die Atmosphäre entweichen. Das entspricht etwa einem Viertel des verbleibenden „Kohlenstoffbudgets“, das der Mensch zur Verfügung hat, um die Erde nicht mehr als 1,5° Grad zu erwärmen.

Auch in der Antarktis gibt es ein Methan-Emissionsproblem: im Boden der Antarktis dürfte ein Leck seit Jahren Methan freisetzen. Nicht das Leck an sich bereitet Sorgen, sondern die steigende Wassertemperaturen, die zur großflächigen Freisetzung des Gases führen könnten. Die Stelle befindet sich in einer Tiefe von zehn Metern im McMurdo-Sund, einer Bucht im Rossmeer. Das aktive Leck wurde schon 2011 entdeckt, konnte aber erst ab 2016 erforscht werden.

Das Gas – aus zerfallenden Algenablagerungen, die unter Sedimenten vergraben und Tausende Jahre dort gefangen waren – gelangt demnach schon länger in die Atmosphäre. Im Regelfall werden die Methan-Vorkommen unter Wasser von Mikroben zersetzt, die den als Energieträger für ihren Stoffwechsel nutzen. Nicht so bei dem aktiven Leck im Rossmeer. Denn jene Mikroorganismen, die das Methan im normalerweise verbrauchen, hätten sich erst fünf Jahre nach Aktivwerdung des Lecks und in zu geringer Anzahl angesiedelt. So kam das Methan der Studie zufolge frei.

Die Freisetzung aus gefrorenen Unterwasserspeichern oder Permafrostgebieten gilt bei Klimaforscherinnen und -forschern als „Tipping Point“, ein möglicher Wendepunkt, an dem die Folgen der Klimakrise nicht mehr aufzuhalten sind. „Der Methankreislauf ist absolut etwas, worüber wir uns als Gesellschaft Sorgen machen müssen“. Methan ist nach Kohlendioxid das zweitwichtigste Treibhausgas, das in die Erdatmosphäre entweicht. Üblicherweise ist aber die Konzentration, verglichen mit CO2, geringer. Industrie und Massentierhaltung trugen in den vergangenen Jahrzehnten allerdings zur Verdreifachung bei.

@ https://science.orf.at/stories/3201214/; https://orf.at/stories/3174559/

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