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2020-12-07T16:26:56+01:0007.Dezember 2020|

Österreich:

Kohlenstoffsenke Bergbau

Beim Schürfen nach Diamanten wird als Abraum Vulkangestein aus großer Tiefe angehäuft. Wird dieser Abraum mit einer Mischung von CO2 und NO durchströmt, die der der Abgase des Kraftwerks der Mine entspricht, färbt sich innerhalb von zwei Tagen das graue Mahlgut rotbraun – Eisen wird oxidiert –, und der Kohlenstoff wird von Magnesium und Kalzium zu Karbonaten gebunden.

Mit solchen Verfahren will der Mienenbetreiber De Beers seine Minen klimaneutral machen. Und ähnlich nutzbarer Müll – „solid alkaline waste“, der basisch ist und mit dem leicht sauren CO2 reagiert – fällt in vielen Bereichen an, von der Zementindustrie bis zur Aluminiumverhüttung: Zwei Milliarden Tonnen kommen im Jahr zusammen. 90 Mrd. haben sich in Schlamm hinter Dämmen gesammelt, die oft unzureichend gesichert sind: 2010 etwa brach der eines Aluminiumwerks in Ungarn, der rote Schlamm – ätzend und giftig durch Schwermetalle – tötete zehn Menschen und ruinierte die Umwelt.

Könnte man beide Fliegen mit einer Klappe schlagen, die Müllbomben entschärfen und den Klimawandel aufhalten? 2019 kam die US-Akademie der Wissenschaften zu einem positiven Befund, und optimistische Schätzungen veranschlagen das Potenzial des Mülls auf das Neutralisieren von fünf Gigatonnen CO2 im Jahr. Allerdings laufen die Reaktionen langsam, man will sie beschleunigen, mit Chemie, bisweilen in Kombination mit Biologie: experimentiert wird bei Asbestabraum in Australien mit Schwefelsäure zum Aufschließen des Gesteins und fotosynthesetreibenden Cyanobakterien, die CO2 aus der Luft holen.

Vieles gelingt im Labormaßstab, aber zum Klimaretten müsste es großtechnisch gehen – in der Größenordnung der Erdölindustrie –, die Kosten wären schwer abschätzbar. Eine günstigere Alternative sehen manche in zermahlenem Gestein, etwa dem Staub, der in Basaltsteinbrüchen anfällt und der großflächig auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht werden könnte. Auf ihn setzt man, weil dieses Material nicht nur Kohlenstoff bindet, sondern auch das Pflanzenwachstum fördert. Das Zermahlen von Vulkangestein wird vorgeschlagen, es soll dann in den Meeren ausgebracht werden – wo seine Karbonate dann versinken –, 55 Dollar pro Tonne CO2 würden anfallen, viel weniger als bei anderen Verfahren.

@ https://www.diepresse.com/5901093/mull-als-klimaretter (Paywall)

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